(Anmerkung: Ich hoffe, daß ich dem Künstler jetzt nicht zuviel oder gar Falsches unterstellt habe, was eventuell Herr Haindl selbst gar nicht gedacht oder beabsichtigt hatte. Aber schließlich ist das ja ein typisches ‘Leid’ eines Künstlers, daß viele Leute viele andere Dinge in dessen Werken sehen oder wahrnehmen ;-) ).
Hier aber jetzt so kurz wie möglich die obligatorischen objektiven Zuordnungsmerkmale und Spezifikationen:
Herrscherin und Herrscher heißen hier Regentin und Regent / Der Wagen wird zur Antriebskraft /
Die Gerechtigkeit ist hier ein Gleichgewicht / Das Rad ist nicht als Glück- oder Schicksals-, sondern als Lebens-Rad betont /
Der Gehängte wird zur Einweihung / im Anschluß folgt der Tod als Transformation /
Und die Mäßigjkeit ist Crowley-gleich als Alchemie betitelt / Der Teufel ist ein ganz konkreter (‘steingebockter’’) Pan /
Und die letzten beiden Karten stehen im Vokabular des Golden Dawn bzw. Crowley: das Aeon (XX) und das Universum (XXI)
Der Hofstaat folgt hier der Version: Prinzessin, Prinz, Königin, Ritter, wobei allerdings die Begriffe Tochter, Sohn, Mutter, Vater gewählt wurden. (Bei all diesen hier erwähnten Karten gibt Hermann Haindl im übrigen immer alle Begriffe an. So trägt jede Hofkarte beide Bezeichnungen. Ebebnso wie auch zum Beispiel bei der Regentin “Die Herrscherin” zusätzlich in Klammern auf der Karte steht.)
Zudem bildet der jeweilige Hofstaat eine ‘geschlossene religiöse Kulturgruppe’ (passend zur gewählten Himmelsrichtung):
Stäbe (= Osten) : Radha (Tochter) - Krishna (Sohn) - Kali (Mutter) - Brahma (Vater)
Kelche (= Norden) : Brigid von Island - Parzival - Venus von Willendorf - Odin
Schwerter (= Süden) : Isis - Osiris - Nut - Re
Steine (= Westen) : White Buffalo Woman - Chief Seattle - Spider Woman - Old Man
Steine: wie man soeben bemerkt hat, werden die Scheiben/Münzen hier in der Variante als Steine verwendet.
Hebräische Buchstaben: Diese werden in der Version des Golden Dawn in der großen Arkana angewandt. (Hier als eigene Tabelle -Klick-)
Runen: Da ich leider persönlich nicht runisch involviert bin, kann ich nur oberflächlich erwähnen, daß jede Karte der großen Arkana auch mit einer Rune versehen ist. Da es nicht viele Decks mit Runen-Entsprechung gibt, besitzt zudem die Fachsimpelei auf diesem Gebiet keine allzugroße Anhängerschaft. Erwähnt sei nur, daß der Runen-Interessent sich auch über das Röhrig-Tarot diesem Thema nähern kann. (Carl.-W. Röhrig verwendet die identische Zuordnung wie Hermann Haindl. Ansonsten ist mir nur das Tarot von besagtem Herrn Frank Glahn bekannt, welcher aber eine andere Kombination zwischen Runen und großer Arkana verwendet.) (Desweitern gibt es sicher auch auch zum Beispiel das Tarot des Nordens. Dort sind die Runen aber nicht in dieser durchgehenden Form logistisch übertragen und angewendet.)
Astro-Symbole: Auch weist die große Arkana je ein astrologisches Symbol auf, welches im Bild integriert ist.
Sämtliche Zeichen ausserhalb des Bildes auf der kleinen Arkana habe ich mit eingescannt => siehe Bilder.
Vokabular auf den Zahlkarten (36 Stück / ohne Asse): Entspricht im wesentlichen im Inhalt dem Golden Dawn -Vokabular (hier die Tabelle mit diesen Begriffen: -Klick-), aber dennoch scheint mir, daß Herr Haindl entweder andere begriffliche Quellen oder eine oder mehrere ‘Zwischenübersetzungen’ genutzt hatte. Vielleicht änderte oder anpasste er auch selbst Sprach-Nuancen. Auf jeden Fall ein äußerst interessanter Vergleich.
I-Ging: Ebenso ‘nur’ auf den 36 Zahlkarten (ohne Asse) sind I-Ging-Zeichen mit angegeben. Auch hier reicht mein oberflächliches Strassenwissen nicht aus, um einen Nebensatz dazu zu verfassen. Lediglich eine banale laienhafte Anmerkung mag einem auffallen, daß hier irgendwie eine Auswahl aus den insgesamt 64 möglichen I-Ging-Zeichenketten getroffen werden mußte. (Ein ähnliches Auswahl-Problem wie im Übrigen auch bei den Runen.)
Auf jeden Fall muß man an dieser Stelle anerkennen, daß selbst bei dieser objektiven Basisdaten-Sichtung eine Fülle von Details aufzulisten waren, welche in diesem Deck verarbeitet wurden und bereit liegen.
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Gerechtigkeit = |
11 |
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Kraft = |
8 |
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Hofstaat : |
Vater - Ritter Mutter - Königin Sohn - Prinz Tochter - Prinzessin |
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kleine Arkana: |
Stäbe Kelche Schwerter Steine |
Vielen Lieben Dank für die Erlaubnis
zur Nutzung der Bilder aus dem
Haindl Tarot
an
Hermann Haindl
Hauptstrasse 21
65719 Hofheim
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Haindl Tarot:
1988
Hermann Haindl
Man könnte dieses Deck überschreiben mit den Worten: “Das (wahre) deutsche (Vorzeige)Tarot”. Wenn vermutlich nicht Frank Glahn bereits Jahrzehnte zuvor ein als “Deutsches Tarot” betiteltes Decks vermarktet hätte. Dieses Haindl Tarot hätte jenes Schlagwort bestimmt mehr als verdient.
Dabei ist bei dieser Aussage aber nicht einfach nur ausschlaggebend, daß der Künstler dieser Nationalität zugehörig ist, sondern daß die Gesamtmischung über Motiv-, Farb-, und Titel- Gestaltung inklusive deren zeichnerische Umsetzung eine subtile deutlich historische mitteleuropäische germanisch-teutonische Wirkung ausstrahlt. Im Beispiel beachte man den Herrscher vor jenem herrlich verknorkten massiven Baum, oder die Verwendung der heimischen Tierwelt (Krähe im Tod, Wolf statt Löwe in der Kraft oder die Eule beim Eremiten). Sicherlich werden zwar im Rahmen des Hofstaates geballt andere Kulturkreise eingemeindet. Ebenso werden die hebräischen Buchstaben nicht vernachlässigt und I-Ging-Symbole verwoben. Aber dennoch bringt vor allem das graphische Konzept im Sinne der mitteldeutschen psychologischen Farbgebung (inzwischen nach 2000 Jahren sicher etwas verblasst), sowie in Bartwuchs und Körperbau der großen Arkana, hier ein allemannisch-barbareskes Tarot aus dem Teutoburger Wald hervor.