Thema: “Warum ist Ritter nicht gleich Ritter”

Warum/Wann ist diese Frage notwendig:

Prinzipiell muß man sich nicht unbedingt diese Frage stellen (wenn man immer zum Beispiel nur intuitiv und/oder mit einem einzigsten Deck arbeitet). Wenn man aber den Tarot mit allen Decks als Gesamtkonzept sieht; und dementsprechend eben auch die verschiedenen Decks im Zusammenhang betrachten möchte, dann kommt man eines Tages zwangsläufig um diese Problematik nicht mehr herum.

Wenn man aber das Grundkonzept verstanden hat, welche der Karten eines Decks mit denen anderer Decks entsprechen, dann ist man frei und auf kein spezifisches Deck mehr beschränkt.

 

Leider führt aber gerade auch der Ritter in verschiedenen Decks meist zu einer völlig unnützen Verwirrung. Meiner Ansicht nacht ist die ‘Auflösung’ aber ganz simpel, wobei ich auch sagen möchte, daß es natürlich auch Vertreter der Meinung gibt, daß ein Ritter doch und definitv immer ein Ritter ist.

 

Weiterhin gibt es ja auch Literatur, welche das Tarot als Gesamtkonzept versteht (und folglich Erklärungen und Deutungen liefert, welche für alle Decks gleichermassen dienen). Ich persönlich finde diesen Ansatz sehr gut.

Wie man aber auch in meinen Literatur- Kommentaren erkennen kann, gibt es oberflächliche Ansätze, welche in naiver Einfachheit den Waite-Ritter identisch setzen mit dem Crowley-Ritter. Sei's drum. Hier ist einfach mal der Versuch einer ausführlicheren Erläuterung, warum Ritter nicht gleich Ritter ist.

A) Die Quintessenz vorweg:
 
Die jeweilige Abfolge in den beiden marktführenden Decks lautet:
 
Waite:       König -  Königin -  Ritter  - Bube
Crowley:   Ritter  - Königin  - Prinz  - Prinzessin
 
Beides in der Element-'Reihenfolge':   Feuer  - Wasser -  Luft  - Erde

=

=

Waite

Crowley

Feuer

Luft

Wenn man nun die beiden Decks gegenüberstellen und/oder vergleichen
möchte, heißt das ganz konkret:
 
Der Waite-König ist der Crowley-Ritter
und
Der Waite-Ritter ist der Crowley-Prinz

Lo Scarabeo Tarot

Stab-Prinz

Ein geniales Beispiel hierfür bietet das Lo Scarabeo Tarot (2007)) Der Prinz ‘verliert’ zwar seinen Wagen, wird aber zum Reiter.

Während er somit auf dem Element-Tier reitet ist er auf der einen Seite weder Crowley, noch Waite, aber dennoch Beides zugleich.

B) Kurze Übersicht / Verschiedene Decks in der Handhabung:
 

In der Praxis jedes einzelnen Decks allein ist die Zuordnung sowieso meistens ganz einfach oder untuitiv:

 

Faustregeln:

 

Gibt es einen König und einen Ritter, dann sind wir in der klassischen Marseiller (etc) Tradition:

König - Königin - Ritter - Bube

 

Gibt es einen Prinz und einen Ritter, so ist der Ritter das Feuer und der Prinz übernimmt die Luft.

Ritter . Königin - Prinz - Bube/Prinzessin

 

Auch gibt es Decks, da wird der Ritter quasi umgangen:

Gibt es einen König und eine Prinz, dann ist der König Feuer, und der Ritter ist die Luft.

König - Königin - Prinz - Prinzessin

 

In politischer Korrektness wird heutzutage auch gern eine Form von gerechter Quotenverteilung angewandt, Dort gibt es zuerst ein Feuer & Wasser -Pärchen; meist eben König und Königin, aber auch zum Beispiel Vater und Mutter oder dergleichen.

Und dazu gibt es dann ein gegengeschlechtliches Luft & Erde -Pärchen, welches eben in einer Art “Ordnungsgefüge” “darunter” steht; sei es eben jener Prinz und Prinzessin, oder passend zu oben: Sohn und Tochter.

König

Königin

Ritter

Bube

Ritter

Königin

Prinz

Prinzessin

König

Königin

Prinz

Prinzessin

Vater

Mutter

Sohn

Tochter

Ein Beispiel von politisch-korrekter Quotenverteilung, ohne daß die Karten umbenannt wurden: 2 Pagen aus dem Hanson- Roberts Tarot in deutlich mädchenhafter Zeichnung:

Tiefer in die Materie geht es mit:

Illustrations from the
Oswald Wirth Tarot
(Aleister) Crowley (Thoth) Tarot
Rider-Waite® Tarot
Hanson-Roberts Tarot, 1985
reproduced by permission of
U.S. Games Systems, Inc.,
Stamford, CT 06902 USA.
 
Copyrights by U.S. Games Systems, Inc.
 
Further reproduction prohibited.
 
The Rider-Waite® Tarot Decks is a registered trademark of U.S. Games Systems, Inc.
 
Visit the world’s best source for tarot decks at
www.usgamesinc.com.
Die Bilder aus dem
Lo Scarabeo Tarot / Tarocchi Lo Scarabeo / Tarot Lo Scarabeo
werden abgebildet mit freundlicher Erlaubnis von Lo Scarabeo.
 
Copyrights by
 

o

C) Basis-Problem:    Waite ist EIN Golden Dawn -Deck /
                                   Waite ist KEIN Golden Dawn-Deck:
 

Waite gehörte auch eben jenem Orden an, welcher mit gutem Recht als der “Tarot-Orden” bezeichnet werden kann. Das Tarot war ein wichtiger Bestandteil des Golden Dawn und jedes Mitglied mußte sich konsequent damit beschäftigen. Und wir können vermutlich diesem Bund dafür sehr dankbar sein, daß er als Initialzünder dieses Spiel mit 78 Karten derart vorangetrieben hat.

 

Waite hatte als ein nicht-unbedeutendes Mitglied selbstverständlich auch nicht nur Zugriff auf das Buch T, sondern diese Sichtweise des Tarot intensiv studiert. Und wenn man im Nachhinein die Golden Dawn Tarot -Decks gegenüberstellt und nicht nur unbedingt optisch, sondern auch in ihrer Aussage vergleicht, so kann man sicher sagen:

JA, das Rider-Waite-Tarot ist ein Golden Dawn -Deck.

 

Man kann aber auch erwähnen, daß Waite sehr unzufrieden war mit Vorstellungen über Tarotkarten, welche Westcott und Mathers im Sinn hatten. (1)

Auch sind weitere Quellen bekannt, welche Waite offenkundig inspiriert haben: So ist zum Beispiel das Sola-Busca-Tarot sicher auch zu erwähnen. Aber auch dort gilt: Es sind erwähnenswerte Parallelitäten vorhanden, aber dennoch sind es nur Teilaspekte oder interessante Ideen aus dem Sola-Busca, welche Waite in sein Tarot mit einfliessen lies.

Ich will nicht zur ausschweifend werden, aber im Endeffekt gibt es also genug begründetes Material, um zu sagen:

NEIN, das Rider-Waite-Tarot is KEIN Golden Dawn -Deck.

 

Wenn ich nun generell die ganzen Zutaten von Informationen in einer Backform integriere und im Ofen beim reifen zusehe, dann ergibt sich eine Form von logischem Schluß, welcher einem zwar erlaubt, beide Aussagen über Waite sein Tarot zu äußern, aber auf keinen Fall einen von beiden zu wörtlich zu nehmen.

Vokabular: Das Tarot-Material des Golden Dawn wird auch als "Buch T" betiltelt.

(1) Quelle:

Waite’s Biographie von R. A. Gilbert

“Arthur E. Waite - Ein Magier der besonderen Art”, Königsfurt, 1998, Seite 188

Und genau dieses “wörtlich” nehmen ist eben jenes Problem, wenn man die Angaben des Buch T wortwörtlich mit den Hofkarten von Waite vergleicht.

D) Eine erste kurze einleitende Begründung,

warum der Ritter bei Waite kein Golden Dawn -Ritter ist:

 

Egal ob man nun das Rider-Waite Tarot als ein Deck sieht, welches aus dem Golden Dawn hervorgegangen ist oder nicht, so ist Waite im Bereich der Hofkarten schlicht in der seinerzeit bisherigen Tradition geblieben.

 

Sollte man eine Beweisführung dazu machen, so ist dies am einfachsten, nicht über den Ritter zu führen,

sondern man gelangt vor allem unzweideutiger über den König (und dem Prinzen) zum Ziel.

 

( Denn: Ein Ritter ist leider immer zu sehr ein Mann mit Pferd. Somit führt die oberflächliche Beweisführung über den Vergleich der Ritter miteinander noch tiefer in die Verwirrung. Und das funktioniert sogar mit jedem Marseiller-Ritter und im Notfall auch mit einem Photo von den Ritterfestspielen.)

 

Schritt 1) Definiere den Königs-Prinz im Sinne des Golden Dawn und suche diesen im Deck von Waite:

Der Königs-Prinz im Sinne des Buch T ist auf einer Form von ”Wagen” unterwegs.

Dies es in erster Linie ganz konkret der ‘Chariot’ (Streit- oder Triumphwagen).

Und selbst, wenn man ganz offen und tolerant an die Sache herangeht: Als Variante sollte zumindest das Tier des Elementes auf eine Weise integriert sein, welche dem Königs-Prinzen Bewegung verleiht.

=>

Und wenn man eine bewegende Person, ob auf Streitwagen oder sonstetwas, finden soll, so bleibt hierfür bei Waite nur der Ritter übrig. Es gibt schlecht eine andere Alternative => Der Prinz im Deck von Waite, kann nur der Ritter sein.

 

Schritt 2) Betrachte den König im Deck von Waite.

Und nicht nur, daß der König weder reitet, er sitzt auch noch auf dem Thron. Der Thron ist aber laut Buch T das Wahrzeichen der Königin. Somit ist dieser zweite potentielle Bruch, welcher Waite hier im Bezug auch den Golden Dawn vollziehen würde, zu prägnant.

Andererseits, sofern wir den Golden Dawn doch anwenden würden, würde somit der Thron-sitzende König erst recht als König durch den Thron in Parallelität zur Königin in seiner Position als König bestärkt.

Dies war aber sicher nur ein erster Gedankengang.

Und für einen fachlichen Small-Talk auf dem nächsten Cocktail-Empfang reicht dies allemal aus.

 

Aber erstens bin ich gern sehr konsequent; Und zweitens findet man im Netz auch Beweisführungen,

bei denen der Waite-Ritter gleich dem Buch T -Ritter ist.

Gerne werden hierzu auch dort die Bilder mit herangezogen und Einzelheiten verglichen.

Wenn man sich aber wirklich die Mühe macht, nicht nur ein paar “Schlagworte”, sondern akkurat diesen Vergleich Wort für Wort durchzuführen, dann kann man auch auf diese Weise begründen, daß der Waite-Ritter kein Golden Dawn -Ritter ist.

 

Um mit dieser großen Tabellen den Rahmen dieser kleinen Beweisführung hier nicht zu sprengen, habe ich dafür eine Extraseite erstellt.

Unter “Der ultimative Vergleich” befinden sich 4 ausführlichste Tabellen mit anschliessender Analyse. Wort für Wort wird jedes Detail des Buch T mit allen Rittern, Königen und Prinzen aus den Tarotdecks von Waite, Crowley und Regardie (Golden dawn Tarot) verglichen.

I

III

II

Der ultimative Vergleich:

Wort für Wort wird das Golden Dawn Vokabular (Buch T) mit den Bildern von Waite verglichen:

 

  A)   Die Quintessenz in Kurzform

 

  B)   Kurze Übersicht / Verschiedene Decks in der Praxis

 

  C)   Basis-Problem: Das Rider-Waite ist EIN Golden Dawn -Deck /

                                   Das Rider-Waite ist KEIN Golden Dawn -Deck

 

  D)   Kurze Begründung, warum der Waite-Ritter nicht Golden Dawn -Ritter ist.

Die Entstehung der Verwirrung: Der Golden Dawn

 

(inklusive der Vokabular-Tabelle für die Hofkarten

 

Exkurs und Zusatz-Gedanken:

 

Mathers Idee über den Ritter in seiner Entwicklung zum König.

 

Die generellen historischen Positionen eines Ritters.

III

II

Der ultimative Vergleich:

Wort für Wort wird das Golden Dawn Vokabular (Buch T) mit den Bilder von Waite verglichen.

 

Die Entstehung der Verwirrung: Der Golden Dawn

 

(inklusive der Vokabular-Tabelle für die Hofkarten

 

Exkurs und Zusatz-Gedanken:

 

Mathers Idee über den Ritter in seiner Entwicklung zum König d

 

Die generellen historischen Positionen eines Ritters.

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