Schwerter

Kurzer Einschub:

Ich wechsele als Vergleichsdeck nun vom Universal Tarot of Marseille von Claude Burdel (1751)

auf das Tarot de Marseille von Nicolas Conver (1760).

 

Darum an dieser Stelle ein kurzer Einschub, welches Marseiller Deck eigentlich relevant sein mag:

 

Lo Scarabeo hat leider nicht angegeben, welches Marseiller Tarot als Vorlage gedient hat. So groß mögen die Unterschiede hier zwar nicht sein, dennoch war/ist es eine Überlegung.

Meine Auswahl geschah folgendermassen: Aus dem Lo Scarabeo-Programm stehen Nicolas Conver und Claude Burdel in engerer Wahl.

1) Da Nicolas Conver (1760) wie beschrieben oftmals als Referenzdeck angesehen wird, habe ich dies bei der großen Arkana zum Vergleich eingebettet.

2) Weil ich aber bezüglich der kleinen Arkana nur vom Universal- Claude Burdel (1751) alle 56 Karten eingescannt hatte, habe ich pragmatischerweise (Faulheit) diese Marseiller Version bei der kleinen Arkana eingefügt.

Allein der Grundgedanke ist schon ein Lob wert. Nicht nur entweder Waite- oder Crowley -orientiert, sondern die Idee, ein Deck zu kreieren, welches eine Mischung, aber vor allem eine Vereinigung aus Beiden darstellt. Und als quasi komplettierendes i-Tüpfelchen, wird auch noch das Marseiller eingeknüpft, um die Sache historisch bedeutungsvoll abzurunden.

 

Natürlich gibt es bereits Decks, welche auch Elemente von diesen 3 Sets umfassen. Allerdings ist mir kein Deck bekannt, welches dies in solch einer konkreten Vorgabe vorsieht oder gar in dieser Konsequenz durchzieht.

Warum große Worte, wenn man am besten gleich mal ein Bilder-Beispiel voran stellen kann:

 

Waite liefert gerade in der kleinen Arkana meistens die Akteure oder Geschehnisse in den Bildern. Das ist aufgrund der Art und Weise der Bebilderung von Waite natürlich erst einmal am naheliegensten. Dennoch heißt dies nicht, daß sich dadurch die anderen Decks in den Hintergrund gedrängt fühlen müssen. So ist im Bild der 6 Schwerter nicht nur die Anordnung oder das Kreuz mit eingebunden, auch die gesamte Farbnuancierung ist eine Symbiose aus Waite und Crowley.

Schwerter 6:         Waite      -      Lo Scarabeo      -      Crowley

Natürlich stellt die spärliche Bildsprache des Marseiller Tarot gerade in der kleinen Arkana sicherlich ein kleines Problem dar, wenn man versucht es miteinzubinden.

Das liegt allein schon darin begründet, daß Waite und Crowley jeweils eine Aussage in alle der 78 Karten hineinlegen wollten, wohingegen die Zahlkarten der kleinen Arkana im Sinne der Marseiller Tradition mehr eine Art Beilage darstellen, welche für das  Kartenspiel notwendig ist.

Marseille (“Universal-Burdel”)       -        Waite       -        Lo Scarabeo       -        Crowley    

Wieder liefert Waite auch hier den Akteur auf dem neu entworfenen Kartenbild.

Dieses Beispiel zeigt aber auch, daß die Symbolik auf der Bettdecke und auch ein bedeutungsvolles Bild auf dem Sockel des Bettes, abhanden gekommen ist.

Dafür geht zumindest die Farbe des Bettes in Vermischung mit Crowley’s  Farbgestaltung im Lo Scarabeo-Hintergrund mit ein.

Daß die blutenden Schwerter aus der Crowley-Symbolik stammen, ist im Vergleich sofort sichtbar.

 

In der Anordnung hier kann sich nun das Marseiller einbringen: Jeweils 4 gebogene Schwerter links sowie rechts und ein Gerades in der Mitte.

Sicherlich mag das nur ein kleines Detail sein, aber wie gesagt: ‘Viel zu bieten’ har das Marseiller nunmal nicht. Und da ist es umso schöner zu sehen, daß sich die Macher dieses Tarot wirklich darum bemüht haben, auch dieses Deck mit einfliessen zu lassen. Einige augenscheinlichste Beispiele für Anordnungen im Sinne des Marseiller finden sich meiner Ansicht nach in den Stäben.

    Randnotiz:

    Gerade bei den Stäben fällt nebenbei auf, daß man sich öfter fragen könnte, wie genau auch Crowley sehr viele Anordnungen aus dem Marseiller Deck übernommen hat.

 

Hier beispielhaft die 5, 6 und 7 der Stäbe:

 

Stäbe 5: Der Streit von Waite vor der Anordnung des Marseiller (Crowley identisch); Das Feuer und ein bißchen Stab-Symbolik gesellt sich von Crowley hinzu.

 

Stäbe 6: Auch hier ist die Anordnung der Stäbe ganz konkret identisch im Marseiller, wie bei Crowley.

Lo Scarabeo hat hier die prägnanten Ende der Crowley-Stäbe komplett in der Symbolik vernachlässigt. Dafür wurden aber die kleinen Flammen aus den Schnittpunkten der Stäbe bei Crowley an die Enden der Stäbe beim Lo Scarabeo verlegt. Und auch Waite mußte auf den hochgehaltenen Siegerkranz verzichten.

 

Stäbe 7: Hier ein Beispiel für eine fast schon witzige Verwendung in der Art und Weise der Anordnung der Stäbe. 6 davon wurden zwar Marseille-isch / Crowley-isch geordnet. aber vermutlich hängt der nun fehlende Stab auch damit zusammen, um der agierenden Person nicht ihre Motivation zu nehmen. Sie darf den einen Stab, wie sie ihn im Waite-Tarot bereits inne hat, behalten, es sieht aber zumindest so aus, als würde sie auf die 6 Stäbe zu rennen. Entweder um auch den siebten Stab dort einzuordnen, oder aber um, wie auch im Waite-Bild, mit diesem einen Stab gegen die anderen 6 zu agieren.

Marseille (“Universal-Burdel”)   -   Waite   -   Lo Scarabeo   -   Crowley

Stäbe 5, 6, 7:    

Und man findet rotz der schlichten Anordnungssymbolik des Marseiller Tarot auch die Variante, daß diese von den Machern des Lo Scarabeo -Tarot bevorzugt vor Waite oder Crowley gewählt wurde.

Hier im Beispiel die 9 Scheiben.

 

Auffallend an diesem Beispiel ist auch, daß hier Crowley in dieser Symbiose eine sehr geringe Eingliederung widerfahren ist.

Etwas konnte er sich in den Farbtopf einbringen, aber ansonsten hat er immerhin die 3-Kreis-Smbolik auf das Kleid der Dame gebracht.

Sogar die überaus kleine Schnecke aus dem Waite-Tarot hat hier hervorstechenderweise die Scheiben gekapert, obwohl doch Crowley hier ein abwechslungsreicheres Spektrum an Münz-Bedruckung hätte bieten können.

(Das ist keine Kritik, sondern nur die optische Anmerkung)

Schwerter 9 :

Marseille (“Universal-Burdel”)       -        Waite       -        Lo Scarabeo       -        Crowley    

Scheiben 9 :

Zum Hofstaat:

Nachdem ich mit den Zahlkarten angefangen habe, mache ich jetzt erst einmal die kleine Arkana komplett.

Erste verbale Einordnungs-Info:

Die Karten sind betitelt mit König - Königin - Ritter - Bube

Aber ehrlich gesagt würde ich diese Variante der Beschriftung fast schon irreführend nennen. Richtiger fände ich den Ritter und Buben in Prinz und Prinzessin umzubenennen.

Diese Aussage soll dann eigentlich auch ein Lob zum Ausdruck bringen, denn in dieser Art und Weise wurde der Ritter (als traditioneller Verwirrungstifter zwischen diesen Decks) brilliant umschifft. Aus diesem Grund wäre es vielleicht sogar perfekt gewesen, ihn auch gar nicht erst verbal zu erwähnen.

 

Sei’s drum, hier zusammen besagte 4 Ritter. In klein darunter die jeweiligen Pendants von Waite und Crowley :

Die Idee, das Pferd symbiotisch durch das Tier des Elements aus dem Crowley-Tarot zu ersetzten, könnte wahrlich als Tarot-bezogener Friedensnobelpreis angesehen werden. Alle Achtung und Kompliment.

 

Weitere Stilelemnte sind dabei recht gemischt. Mal ist der Ritter-Prinz in Rüstung wie bei Waite, mal ist er nackt wie bei Crowley, und dann wiederum trägt er einer einen blauen Pyjama mit Rüstungshelm oder auch nur einen Umhang. Alles in allem recht diplomatisch geregelt das Ganze.

 

Sodala, jetzt aber erst einmal radikal Schluß mit dem Lob, denn an dieser Stelle tritt leider die erste deutlich-negative Kritik auf den Plan.

So genial diese Idee auch sein mag, warum haben die Macher Angst vor der eigenen Courage?

Warum verwenden sie den Adler nicht da, wo er hingehört ?!

Ein Drache. Aha! Oder auch eine Drachenschlange ? Ein Loch Nessi ? ;-) ... Ein Drache ist toll; Eine Drachenschlange ist spitze, Eine Drachenseeschlange ist hoch angesehen. Auch könnte man, wenn man wollte das Drachen-Nessi versuchen in das Tarot oder die Elemente des Tarot einzugliedern.

Aber nicht nur, daß diese Seeschlange in der traditionellen Tarot-Tradition in keiner dieser 3 wegweisenden Decks sein (Un)Wesen treibt, noch ist sie generell ein eher selten gesehener Gast auf der Tarot-Party. Wie kommt sie dazu, hier den Adler nicht nur zu ersetzen, sondern den Adler auch noch in ein anderes Element zu verjagen?!

 

Pardon, wenn ich hier etwas erbost reagiere, aber zur Erinnerung: Es sollen hier doch die 3 wichtigsten wertvollsten bombastischsten Traditionen in einem neuen einheitlichen Kleid mit neuen weiterentwickelnden Teilen zusammengeführt werden.

Aber was geschieht stattdessen: Hier wird Basis-Tradition boykottiert und wichtige Elemente vertauscht. Und als neuer Star am Symbol-Himmel wird ein Serienheld aus dem Nachbarkanal für übertrieben teuer erkauftes Honorar in die falsche Rolle gequetscht.

 

Hier versagt leider die von mir bisher sehr hoch gelobte Grundidee dieses Tarotdecks. Mark McElroy hat es im Booklet erwähnt, daß dieses Deck auch eine eigene Handschrift bekommen sollte. Aber leider birgt dieser Eingriff in dieser enormen Symbol-Veränderung einen deutlichen Einschnitt.

Als kleinen Trost kann man auf dem Lo Scarabeo-Schwert-Ritter im Hintergrund noch 3 Menschlein sehen. Aber durch den über alle Massen Bild-beherrschenden Adler, treten diese 3 kleinen Schatten so dermassen in den Hintergrund, daß sie weit davon entfernt sind, als wichtige Grundsatz-Symbolik im Bild integriert zu sein.

Bei den Prinzessinnen-Buben fällt auf, daß diese in erster Linie weibliche Versionen der Buben-Karten von Waite zu sein scheinen.

 

Die einfache stehende Körperhaltung (natürlich auch vergleichbar wie in der Marseiller Variante) vor einem ruhigen Hintergrund wird nur dezent durch Crowley-sche Element angereichert, sei es die Form der Spitze des Stabes, ein Schwan oder die Art wie die Münzscheibe gehalten wird.

 

Und auch hier sind wieder ein paar kleine schöne Beispiele sichtbar, wie sich auch das Marseiller mit einbringt. Woher könnte sonst der Hut (Schwerter) , die zwei wehenden Kopfschmuck-Bändchen (Kelche) oder die zweite am Boden liegende Scheibe hergeleitet werden..

 

 

 

 

Könige und Königinnen habe ich hier nicht explizit vorgestellt, Diese sind im gelungenen Rahmen der obigen Beispiele zu sehen.

Hier die direkten Links zu den

Bilder-Vergleich-Seiten ===>

Jeweils ein Marseiller (Burdel oder Conver) neben Waite und Crowley sind mit dabei.

Die große Arkana:

 

Die große Arkana ist im Vergleich zum bisher Beschriebenen noch eine gehörige Prise eigenständiger.

Ich muß gestehen, daß ich weder vor der Bestellung, noch bei der ersten Durchsicht der großen Arkana gewußt habe, daß dieses Deck eine bewußt gewollte inszenierte Zusammenführung der genannten 3 Decks ist. Erst als ich die kleine Arkana betrachtete, erkannte ich eine offenbare Idee und ein konkretes Konzept hinter diesem Deck.

Mit dieser Beschreibung möchte ich lediglich zum Ausdruck bringen, wie sehr sich zwar die große Arkana auch in der Konzeption und Ausgestaltung der besagten Form von Symbiose darstellt, aber dennoch zusätzlich einen ganz konkreten weiteren Einfluß wesentlich deutlicher als bei der kleinen Arkana, zum Ausdruck bringt. Denn es sollte nicht nur ein zusammengewürfeltes Deck entstehen, sondern eine zum einen erkennbare eigene Handschrift tragen, und neben den alt-bewährten Inhalten auch Potential und somit Symbolik zu weiter reichenden Aussagen bieten.

 

Sicher kommt aber hier in der großen Arkana bereits in den Basisdaten als erschwerendes Problem ein ‘Überangebot’ an Bildern, Information, Symbolen, etc hinzu. Denn in der kleinen Arkana war die Sache noch im Grunde klar strukturiert: Waite liefert sozusagen die Akteure, Crowley beteiligte sich mit zusätzlichen Symbolen, und auch aus dem Marseiller wurde ab und an geschickt etwas mit eingebunden.

Im Bereich der großen Arkana füllt allerdings schon der Interpretationsraum der Marseiller Symbolik ettliche Bücher; Von Waite und Crowley ganz zu schwiegen.

 

Hier mußten also zwangsläufig mehr Entscheidungen getroffen oder schlicht aussortiert werden.

Solch eine Beispiel für eine Reduktion bietet die Hohepriesterin

Weder der verschleiernde Vorhang zwischen den Säulen, noch selbiges Gitternetz bei Crowley,

keine Früchte, kein Kamel, kein B, kein J, kein Tora (als Wort), kein Kreuz.

 

Immerhin die Säulen sind noch da, der Mond ist im Hintergrund, und auch die elementarsten Symbole wie die typische Krone oder die (unbeschriftete) Tora-Rolle sind vorhanden.

 

Die Kleideung mag noch als eine Vermischung von Waite und Crowley darstellbar sein. Bläulich verhüllt auf der einen Seite, barfüssig und deutlich Brust-andeutend andererseits. Die Arme sind freier sichtbar als bei Waite, aber angezogener als bei Crowley.

Im Gegenzug hier ein weiteres Beispiel, welches wieder vermehrt den symbiotischen Charakter festigt.

 

Bis auf die Kleidungselemente ist kaum ein optisches Symbol-Bestandteil nicht in einem der 3 zusammenzuführenden Decks enthalten. Und dabei sind die Einzelbestandteile auch noch sehr gerecht gemischt.

So ist zum Beispiel das Zepter in der von Mark McElroy verwendeten Form aus dem  Marseiller, dafür ist die ‘Krönung’ des Reichsapfels von Waite’s Zepter.

Crowley’s Reichsapfel-Kreuz fehlt zwar, dafür trägt aber der Lo Scarabeo -Herrscher das von Crowley’s Umhang entlehnte Bienensymbnol als Schmuck um den Hals.

Aber ansonsten kann man auch ausgiebig über die eigenständigen Elemente der neu entstandenen Hohepriesterin grübeln und diskutieren, sei es der Blick in den Spiegel, die offenen Haarstränen oder auch über die alleinig nicht in Blautönen gemalten Lippen. Diese schimmern in einem zartem rosa, obwohl sie aber dennoch nicht übermäßig ins Auge stechen. Sicherlich auch nicht zu verachten ist der im Vergleich zum Waite geänderte Mond; von der schmalsten Sichel zu vollsten Kugel und von vorne-unten nach hinten-oben.

 

Im Grunde genommen ist dieses Beispiel aber auch eben dafür geeignet, um zu sagen: Solch eine Karte allein ist zwar sehr gut in einer Symbolik einer Hohepriesterin in verschiedenen Sichtweisen, aber es ist auch wiederum so sehr eine eigenständige Hohepriesterin, daß man sie nicht zwingend als Symbiose zwischen Waite, Crowley und Marseiller erkennen muß.

Marseille (Nicolas Conver, 1760)       -        Waite       -        Lo Scarabeo       -        Crowley    

Die Hohepriesterin:

Marseille (“Universal-Burdel”)       -        Waite       -        Lo Scarabeo       -        Crowley    

Kelche 6 :

Marseille (Nicolas Conver, 1760)       -        Waite       -        Lo Scarabeo       -        Crowley    

Der Herrscher:

Ansonsten kann man neben den 4 Widdern (in erster Linie mit dem Thron von Waite), das Wappen mit Adler (Crowley und Marseiller) heranführen, sowie die Fußstellung aus dem Marseiller und Crowley .

Die Krone ist mehr Waite, der Bart und die Haare wiederum Conver, und als Farbgestaltung würde ich sagen, daß in der Basis das Crowely-sche rot-gelb zuerst etwas pastell-isiert wurde, und im Anschluß noch eine dezente Kolorierung erhielt..

 

Ein bißchen was fehlt aber sich sicherlich immer, Die Lilie, die Sternchen oder das Schaf aus dem Crowley-Bild sind nicht zu finden, aber alles in allem steht dieses Beispiel somit für ein gelungene Symbiose-Variante, ist aber trotzdem auch kein von McElroy gefürchtetes Collage-Bild, sondern kann ebenso als eigenständig angesehen werden.

 

 

Diese Beispiele sollen soweit erklärenderweise reichen.

So langsam möchte ich mich dann auch zu den kritischen Punkten vorarbeiten. Wobei ich betonen möchte, daß ich zum einen vielleicht nicht das Recht dazu habe über dieses Tarotdeck zu mekkern, und zum anderen weiterhin bei der Grundmeinung bleibe, daß dieses Deck im Gesamteindruck sehr gut bleibt.

Aber ebenso wie es in jeder Auto-Test-Zeitschrift bei dem besten Oberklasse-Mercedes nicht nur eine Pro-Spalte, sondern auch eine Auflistung von zu bemängelnden Merkmalen gibt, so möchte ich doch auch bei diesem ‘7er-BMW’-Tarot persönliche kritische Anmerkungen einfügen, um das Feedback, welches ich hier gebe, mit gutem Gewissen und ehrlich zu gestalten.

Fangen wir mit leichter Kritik-Kost an.

Ich habe ganz ehrlich wenig Ahnung, was dieser Sonne-Typ da soll.

Die Fahne: ok.

Die Sonne: Auch ok

Die Mauer: Tradition in Waite und Marseiller.

 

Aber: Was soll die Krone ?!

Was soll das Schwert ?!

Und was soll das Alter ?!

 

Da ist also nun ein Muskel-bepackter Teenager oder gar Tweenager, vergleichbar mit der Karte als Bube (Körperhaltung) oder auch Prinz. Man könnte eher meinen, er wäre eher auf einem kriegerähnlich-kämpferischem Weg in die Herrschaft .

‘Auf dem Weg in die Herrschaft’ ist dabei eventuell doch eine gute Interpretation für den Standpunkt der Sonne auf dem Weg zum Universum.

Sozusagen ein Symbol für die Herrschaft über sich selbst als der Weg des ursprünglichen Narren, der auch über sich selbst siegt, und dann eben die Krone sich verdient ?!

Nunja - Das klingt jetzt schon sehr dürftig konstruiert, und es war wirklich nur ein verzweifelter Versuch, einen Sinn zu finden. Lassen wir das also besser mal bleiben und beschränken uns weiter auf die reine Optik der Karte:

 

Was für Personen sind auf den anderen 3 Decks: durchwegs Kindliche. Ein naives fröhliches Kind bei Waite, frohlockende Engel bei Crowley und zwei ‘einfach nur Kinder’ im Marseiller. Irgendwie weit gefehlt für einen Krieger-Königs-Anwärter mit erhobenem Schwert.

Das Merkmal, daß hier keiner Kleidung trägt, hat im Tarot auch eine Bedeutung von Offenheit und ehrlicher Unverletzbarkeit. Da hilft es auch nicht, wenn der Lo Scarabeo-Sproß den lockeren Bademantel im Bereich der Brust offen trägt. Ganz im Gegenteil stellt man sich die Frage, was er denn so kurz vor dem Ziel immer noch zu verbergen hat. Warum kann er sich sprichwörtlich nicht öffnen? Es ist nur noch ein Schritt zum jüngsten Gericht, und er kommt immer noch nicht mit sich zurecht und muß oben drein immer noch ein hoch-erhobenes Schwert bei sich tragen.

Nebenbei verleiht ihm dieses Schwarzenegger-Anwärter-Muskel-Spiel auf der Brust, welches aus dem bewußt-leger-offengelassenen Mantel herauskrabbelt, eine Macho-hafte Stimmung, die ihn eher dumm-naiv als kindlich-naiv darstellt.

Der Gesichtsausdruck ist sehr entschlossen - das kann ja nicht schaden. Die Augen sind leicht zugekniffen und zielgerichtet - tolle Sache. Aber man kann doch förmlich riechen, wie dieser Jüngling vermutlich sogar wirklich so naiv-dümmlich geblieben ist, wie dies auch Teil der ursprünglichen Symbolik des Kindes auf den Sonne-Karten ist. Aber hier bei Lo Scarabeo ist dieses naive Bübchen bereits schon 17 ? oder 20 ? oder 24 ?. Er hat vermutlich seine Jugend eher im Fitness-Studio verbracht, und somit schlicht vergessen Körper UND Geist zu schulen.

Provoktaiv-dümmliches Gelaber meinerseits ohne beweisbare Bildersprache? Nicht im Geringsten: Nicht nur sein Haar ist blond-naiv, das Bild in seiner Gesamtfarbgebung ist rundherum blond, ein offenkundig symbolisches Zeichen für Naivität, oder soll ich ihm Rahmen des Kartennamens sagen: Sonniges Gemüt.

Und genau das ist ja auch ansich super im Sinne der langzeitlichen Tarot-Tradition dieser Karte. Aber dann kann ich keinen Kindergartenrambo mit entschlossenem Blick, erhobenem Schwert  in dieses Bild setzen. Selbst die Art und Weise, wie ihm der rote Fahne in die Hand gemalt wurde, hat diese zu einer roten aggressiven Mannschafts-Wipfel-Anführer-Fahne gemacht.

 

Also ich weiß nicht; Lassen wir das mal so stehen und gut sein, ich wollte es mal nur so gesagt haben..

Es sollte ja erst mal leichte Kritik sein.

Es ist dennoch sozusagen keine Karte, die mich nicht schlafen läßt ;-)

Marseille (Nicolas Conver, 1760)       -        Waite       -        Lo Scarabeo       -        Crowley    

Die Sonne:

Und wo wir gerade bei leichter Kritik sind:

Ich kann es einfach nicht lassen zu fragen, was dieses Baby da soll.

 

Das erste (und bisher einzigste Mal), daß ich solches auf dieser Karte fand, war in einem anderen ‘geniale-Idee’-Deck, dem Vice Versa / New Vision. Irgendwer von Lo Scarabeo muß wohl einen Narren an diesem Kind gefressen haben, und sich in den Kopf gesetzt, dieses in der Tarot-Welt der Gerechtigkeit zu etablieren.

 

Bezüglich des Vice Versa hab ich mal im Netz aufgeschnappt, daß es eine Symbolisierung des salomonischen Baby-Urteils sein kann/soll. Diese Beschreibung finde ich sehr gut, weil sie in das Gesamtkonzept der Karte vortrefflich passt.

Marseille (Nicolas Conver, 1760)       -        Waite       -        Lo Scarabeo       -        Crowley    

Gerechtigkeit:

Kurzer Hintergrund, wer es noch nicht gehört haben sollte:

Da waren seinerzeit 2 Mütter und haben sich um ein einziges Baby gestritten. Es wurde daraufhin entschieden, daß man dieses Baby gerecht in zwei Hälften teilen soll. Allerdings verzichtete aus diesem Grund eine Mutter auf das Baby und wollte es lebend der anderen Frau überlassen. Es bekam aber denn jene Mutter das Kind, welche auf den Säugling verzichten wollte, weil sie wegen ihrer Handlung bewiesen hatte, daß sie wohl eher die echte Mutter sei. (Und selbst wenn nicht, so ist das Kind bei ihr schlicht besser aufgehoben ;-) ).

 

Nun sei’s drum, die Kritik an diesem Kind ist meinerseits sicherlich nicht überragend, aber es ist vor allem auch ein sehr auffälliges Beispiel, wie sehr sich die Stilbrüche in der Symbiose vermehren, beziehungsweise die Eigenständigkeit Überhand nimmt.

Es bleibt weiterhin ein würdiges Geburtstagsdeck, keine Frage, aber je mehr die Eigenständigkeit zunimmt, desto öfter würde ich mich wirklich doch mal über ein Deck freuen, welches konsequenter eine Vereinigung zwischen Waite, Crowley und Marseiller auch in der großen Arkana umsetzt.

(vielleicht zum 30jährigen Geburtstag ?) ;-)

Ebenfalls frage ich mich, was es mit diesen 6 Kelchen auf sich hat.

 

Sind wir zuerst gnädig und suchen nach Gemeinsamkeiten:

Die Anordnung der Kelche aus dem Marseiller Deck.

Die Kelche sind auch eifrig bewässert.

(Crowley)

Und 6 weiße Blümchen trägt das Mädel im Haar (Waite).

 

Ansonten aber stellt sich mir (provokativ) die Frage, ob das die Jugendliebe eines des Deck-Konzeptors in träumerischer Erinnerung ist.

Ja, dieses Bild ist großartig: es lädt zum verträumten genußhaften Erinnern an. Man versetzt sich zurück in die unschuldige Jugendlickeit, als die Haare noch zwischen leichtem Unschuldsblond, aber schon verlockend rassigem durchschimmernden Rot unbekümmert jedweder Mode wachsend und wallend fallen sich lassen konnten. Das Herz beginnt zu seufzen und der Magen versucht eine letzte Schmetterlingslarve auszupressen, während die Augen lüstern leicht lefzend nach den sündhaft-symbolisch-dargereichten Äpfelein zu greifen gewillt sind.

 

Ich bin in keinster Weise prüde, und auch auf Tarotkarten erfreuen sich meine männlichen Augen sehr gerne an den umwerfenden optischen Möglichkeiten der holden bewundernswürdigen Weiblichkeit, aber aus einem kleinen lieb-bittenden Beschützerinstinkt-erweckenden Mädchen mit wärmender leicht-verrutschter Kopfbedeckung, welches in einer frühlingshaften aber kühlen Umgebung in naiv-verträumt-romantischer Rückbesinnungs-Umgebung sich vorsichtig einem ebenso warm-eingepackten jugendlich-ältrigerem fast schon geschlechtslosen, aber in jedem Fall liebevollen und fürsorglichen Blümchenkelch-Überreicher, auf eine zwar etwas subtile Augenkontakt-Flirt- aber doch im Grunde eher zurückhaltende Weise annähert, ist eine im Vergleich schlicht sehr nackte darbietende junge Frau geworden. Nun gut, auch sie ist gar liebreizend und sicherlich Beschützerinstinkt-weckend, aber diese Parallelen sind doch etwas zu politisch in-korrekt, um sie in direkter Vergleichbarkeit hervorzuheben. Im Endeffekt finden ich es schlicht ein bißchen zu ‘Thema-abschweifend’.

Aber auch hier gilt: Die Karte ist super, aber sie passt nicht so wirklich ins Konzept.

Das Lo Scarabeo-Tarot:

Danke und großes Lob für dieses ‘Flaggschiff’,

Aber im Verlauf dieser Ausführungen auch kritische Anmerkungen.

Marseille (“Universal-Burdel”)       -        Waite       -        Lo Scarabeo       -        Crowley    

Last und Least ist es wohl nun Zeit, das Sorgenkind in diesem Deck zu zeigen.

Seht Euch die Bilder an, zündet eine Kerze an und legt mit mir eine Schweigeminute ein.

Wer hat dem Teufel das angetan? Hat die Polizei schon erste Verdächtige in Gewahrsam genommen?

 

Ich möchte aber dennoch erst einmal objektiv an die Karte herangehen:

 

Ein überfressener kraftloser verbrauchter Huf-Füßler kauert (nicht mehr genügend Power in den Oberschenkeln?) auf einem Steinblock. Er muß sich dabei mit der einen Hand hinten abstützen, und auch im anderen Arm hat er nicht mehr genügend Energie, um ihn zu halten, sondern läßt den Arm einfach nur noch auf einem Bein abgelegt nach unten hängen. Selbst die Finger hängen dabei nur in natürlicher Sehnen-Rest-Spannung wahllos herab.

TTCFKAD

- The Tarot-Card formerly known as Devil -

Sein Blick ist melancholisch-trauig, fast schon leer, aber auf jeden Fall starr, vielleicht sogar mit letzter Anstengung bettelnd auf den Betrachter gerichtet.

Seinem wabbernden Bierbauch hängt auch schon die saftlose Zunge aus der Kehle.

Auch wenn es der ein oder andere nicht zu hören vermag, aber in der Art und Weise des schwabbeligen Vollfressungsbauch ist hier ein übersatter Röchelrülpser deutlich wahrzunehmen. Man beachte die in der Mitte hängende und nach vorne oben flehende Zunge. Das hohle im Rülps wird dabei auch durch die Längsrollung in der Mitte als solcher hörbar

Ebenso ist ein zweiter Laut wahrnehmbar, auch wenn er noch ein bißchen leiser ist. Dieser ist zwar etwas schwerer zu beschreiben, aber ihr kennt bestimmt diese Art von Erschöpfungs-Seufzer mit einen ganz dezenten aber un-unterdrückbar angerautem Krächz-ähnlichem Beilaut. Ganz prägnant hierbei ist die hängende Haltung des Halses. Wenn ihr versucht diesen Laut zu produzieren, geht nämlich der Kopf müde nach vorne-unten. Einfach so wie auf dem Bild hinkauern, Schultern und Kopf hängen lassen, und beim Ausatmen leicht im Rachen ein kraftloses Krächzeln erzeugen, sehr gerne auch ein lautloses krächzen. Macht das 20 mal und ihr seit um 3 Monate gealtert. Im Notfall kann man auch an einen alten Mann denken, der sich erschöpft auf eine Parkbank niederläßt.

 

Seine Hörner und auch seine Flügel hingegen sind in sehr gutem Zustand. Da bin ich fast schon verwundert, daß keine Löcher in den Flügeln oder Spinnweben in der Steinbock-Krone versteckt ist. Ebenso ist die Hörnung gut gewulstet und weist eine erfahrene Schwingung auf, nicht verspielt, sondern logisch nützlich. Sozusagen repräsentativ und praktisch.

 

Die beiden Menschlein:

Nicht nur, daß sie die immer schon traditionell zu große, und dadurch leicht abnehmbare Kette, nicht umgelegt haben, sie liegt auch noch am Boden und ist zudem geöffnet und wirkt unbrauchbar. Ale 4 Elemente haben die beiden zudem in der Hand (sie hat die beiden männlichen, er die beiden weiblichen Symbole). Sie sind angezogen und haben den Waite-schen-Schweifschwanz-Schmuck auf den jeweiligen Köpfen (Bei ihm erkennt man es nicht so gut, aber das Haar ist feurig). Der Blick ist mehr als nur entschlossen. Zusammen mit den extrem zusammengekniffenen Augen und Mündern, wirkt er aber ein bißchen zu verbissen; nicht wirklich zielgerichtet, sondern eher plakativ oder gar trotzig.

 

Sodala, das wäre also soweit die grundweg objektive Basis-Sichtung ;-)

 

Wäre ein schlichter Grabstein nicht würdiger gewesen? Muß man den armen Kerl hier auch noch so herunterwirtschaften, daß es fast schon nach Verleumdung stinkt.

 

Das Tarot ist weder ein Kindergarten, noch ein Kaffekränzchen. Das Tarot ist ein Erkenntnisweg. Hier wird das Leben analysiert, hier werden die positiven Potentiale genauso erforscht wie die Hindernisse, Problemzonen und Schatten. Ein Freund, der einem nicht sagt, das man in der neuen Hose einen dicken Hintern hat, ist kein Freund.

 

Einspruch gegen mich selbst. - Stattgegeben:

Dieses Deck ist kein Warmduscher-Deck, auch traurige und triste Karten sind gut und gelungen integriert. Das muß ich zugeben.

Und der Teufel ist ja auch die Aufforderung, seine Schattenseiten zu erkennen und sich von den Fesseln zu lösen.

 

Aber: Diese Auflösung erfolgt im Turm. Der Teufel ist die Aufforderung. Der Teufel ist der Spiegel. Der Teufel ZEIGT die Abhängigkeit, der Teufel warnt vor Abhängigkeit.

Hier jedoch meint man, daß man sich schon gelöst hat. Klar ist eine Form von Aufmunterung enthalten, weil man die Elemente in der Hand hat, aber es wird einem dennoch vorgegaukelt, daß die Ketten schon gebrochen sind und der Teufel schon so gut wie erledigt ist.

Dieser Teufel hier ist wie ein Raucher, der jeden Tag 20 mal sagt, er könne jederzeit aufhören.

Dieser Teufel regt nicht zum nachdenken an und motiviert dadurch zum ändern der Abhängigkeits-Situation, sondern drückt den beiden Protagonisten bereits die Elementarkräfte in die Hände - wie ein Fischer, dem man ein volles Netz mit Fischen gibt, anstatt ihm ein Boot zu finanzieren.

Aber halt, das hatten wir schon. Ist auch das hier eine perfekte Fortführung einer Tradition?

... Kraft und Gerechtigkeit  ... König / Ritter / Prinz ... und Lo Scarabeo schickt den Teufel in die Rente?

Weist ihn aber bitte in ein Altenheim mit offenem Kamin ein, ... und erspart ihm die Strafe eines Zimmers mit Meerblick. ;->

Anmerkung am Rande:

 

Der Teufel mit Gesicht ist ein Element aus der Piemonteser Tarot-Tradition.

Allerdings liegt im Allgemeinen die Vermutung nahe, daß dies nicht aus tieferem Sinn entstanden ist, sondern sich nach und nach durch die Abnutzung und falsche Neuerstellung der Massenproduktions-Vorlagen irgendwann zu etwas Gesichts-ähnlichem entwickelt hat, bis in einer weiteren neuen Holzvorlage jemand im Piemont ein konkretes Gesicht daraus gemacht hat.

Provokativ-doofer-Nebenbei-Kommentar:

Vielleicht soll hier ja auch die Tradition der Verwirrung fortgesetzt werden ?

Waite) Kraft & Gerechtigkeit

Crowley) Ritter / König / Prinz

Lo Scarabeo) Adler & Seeschlange,

Eine andere beziehungsweise weitere Sichtweise:

Eine renommierte deutsche Tarotwelten-Seite (welche ich sehr schätze und darum das hier nicht als Kritik ansehen lassen möchte) verweist in diesem Zusammenhang darauf, daß die Drachenschlange eine Vertretungs-Symbolik für den Engel ist.

(Die Herleitung erfolgt übrigens über Hesekiel’s Apokalypsen-Vision, was aber im Grundsatz nichts ändert an den 4 Element-Figuren Löwe, Adler, Engel und Stier, weil es ja keine Neuerung hier im Lo Scarabeo Tarot darstellt.)

Der Engel als Menschenform wäre somit konkret in der Seeschlange vorhanden.

(Über eine Symbolkonstellation zwischen Seeschlange und Engel muß ich mich erst schlau machen und nachdenken), aber zumindest in der Summe ändert sich nichts an der Verdrehung. So behalte ich diese Kritik hier allein deswegen deutlich aufrecht.

Die Gerechtigkeit aus dem

Tarot of the New Vision /

Vice Versa Tarot

Der Teufel aus dem

Antiken Tarot aus Ligurien-Piemont /

Giovanbattista Guala, 1840

Idee: Lo Scarabeo-Team

Anlass: 20jähriges Bestehen von Lo Scarabeo.

Mit der Konzeption wurde beauftragt: Mark McElroy

Künstlerische Umsetzung: Anna Lazzarini

Zusammenfassend brauche ich mich wohl nicht mehr groß zu äußern. Ich denke ich habe oft und ausgiebig mein großes Lob ausgesprochen. Ebenso sind auch die Beispiele für Kritikpunkte deutlich zur Sprache gekommen. Alles -positiv wie negativ- ist natürlich nur meine kleine persönliche Meinung.

 

Abschliessend möchte ich sagen, daß ich mich schon auf den nächsten bedeutenden Geburtstag freue, und hoffe, daß mit diesem Deck eine S-Klasse-Flaggschiff-Reihe eröffnet wurde.

Der Viertel-Jahrhunderts-25jährige Geburtstag von Lo Scarabeo fällt übrigens auf das esoterisch-sprituell sagenumwobene Jahr 2012.

 

Und ich wünsche mir, daß ich, wenn ich über das dann kommende Deck schreibe, folgenden Satz einfliessen lassen kann: “Das namentliche Lo Scarabeo -Tarot (2007) war seinerzeit bereits ein äußerst gelungener Wegbereiter. Dort wurde der erste Versuch unternommen ein Tarot-Flagschiff zu entwerfen, welches in Tradition, Moderne und Pinselstrich stand.”

Wer sich immer noch über Adler und Engel/Mensch in der Zuordnung zu Wasser und Luft wundert, dem sei hier ein kurzer Einschub in der Element-Symbolik inklusive einer Adler&Mensch-Eselsbrücke gegeben:

 

Vorab: Engel < > Mensch:

Im Sinne der Gestalt-gewordenen Elemente zwischen Löwe, Adler und Stier, wird im Tarot zumeist der Mensch benutzt, Wenn man aber Querverweise -zumeist aus religiösen Quellen- benutzt , dann ist der Mensch in der Regel auch als Engel gleichzusetzten.

Nicht zu verwechseln ist aber, daß innerhalb des Tarot-Systems trotzdem unterschieden wird zwischen den ‘reinen Engeln’ (zB bei den Liebenden oder dem Gericht) und dem ‘Elementen-Mensch/Engel’

Aus diesem Grund, nutze ich lieber nur den Begriff Mensch, wenn im Sinne der 4 Elemente geredet wird.

Verwirrender kann das Ganze zwar werden, wenn von den 4 Cherubim geredet wird, weil Cherubim ja schließlich Engel sind, aber im Grunde sind alle der 4 Elemente-Wesen sozusagen ‘ge-Engelt’. Sprich es ist in der Basis der Mensch, der dann mit dem Flügel zum Engel-haften Symbolwesen wird. Die versinnbildlichte Basis dieses Engels ist aber eben jener Mensch, oder jener Stier, Adler oder Löwe.

 

Ich schweife zu sehr aus, Verzeihung.

Jetzt aber zum Thema:

 

Auf den ersten Blick war es auch seinerzeit für mich unverständlich, warum der Adler NICHT in die Luft gehört, aber es gilt:

 

Der Mensch ist der Symbolträger für den aktiven Verstand. Daher gehört er im gesamten Symbol-Konzept zur Luft.

Der Adler fliegt rein intuitiv. Er denkt nicht, sondern er reagiert mit all seinen unterbewußten Sinnen zum Beispiel auf die sich verändernden Strömungen. Er reagiert teils blitzschnell, wenn er sich auf Beute stürzt, was bei der Geschwindigkeit auch vollkommen logisch erscheint. Wer bei diesem Speed anfängt zu denken, der verhungert als Adler.

Intuition, Unterbewußtsein, innere Stimme, Bauchgefühl-Wissen, ... -> Der Adler gehört somit zur Symbolik in einer Gruppe mit den Königinnen oder den Kelchen zum Wasser.

Als Eselsbrücke kann man sich den Adler vorstellen, wie er im Wellengang der Winde schwimmt.

Interessanterweise kann man sich umgekehrt auch einmal eine Dokumentation über Pinguine ansehen. Diese ‘fliegen’ nämlich im Wasser.

Und so wie der Pinguin (welcher ja auch ein Vogel ist) im Wasser fliegt, so schwimmt der Adler in der Luft.

 

Und deshalb erstaunt es mich über alle Massen, daß so ein Tarotristisches Grundsatz-Element in solch einen Deck, welches ja schließlich ein Flaggschiff sein möchte, dermassen diletantisch abgehandelt wird. Ein Flüchtigkeitsfehler durch alle Instanzen?

 

   A) Das Konzept anhand von Beispielen aus der kleinen Arkana

       Schwerter 6  -  Schwerter 9  -  Stäbe 5, 6, 7  -  Scheiben 9

 

   B) Zum Hofstaat

         Es gibt keinen Ritter mit Pferd, sondern die Prinzen-Ritter reiten auf dem jeweiligen Tier des Elementes (Brilliant!)

         Herbe Kritik: Drachenseeschlange verdrängt den Adler zu den Schwertern :-(

 

   Exkurs: Hierzu passend eine Kurz-Info über den Adler und den Mensch als Symbol-Wesen des jeweiligen Elements.

 

         Die Buben heissen zwar so; und sind auch in der Basisoptik von Waite, aber dafür sind sie weiblich.

 

   C) Kurzer Einschub, warum welches Marseiller Tarot hier verglichen wird.

 

   D) Die große Arkana: Das Deck vermehrt die Eigenständigkeit

         Beispiele:   Die Hohepriesterin  -  Der Herrscher

 

   E) Negative Kritik:

         Die Sonne  -  Gerechtigkeit  -  Kelche 6   -   TTCFKAD = The Tarot-Card formerly known as Devil :-(

 

   F) Vorfreude auf 2012 ??

 

   G) ??? Mark McElroy und die Sonne ???

         ??? Wo ist Anna Lazzarini ???

         ??? Wer ist das Kelch-Mädel ???

 

Übersicht:

~~~ Nur so eine Idee ~~~

~~~ Nicht zu ernst nehmen ~~~

~~~ Oder ... ? ~~~

Abschließend noch eine kurze wahnwitzige Idee:

Bitte nicht übel nehmen

... aber es geht mir nicht aus dem Kopf, wie überproportional auffällig exakt zwei Bilder aus dem Rahmen fallen.

=> Die Sonne und die 6 der Kelche.

 

Und es sind halt neben dem Lo Scarabeo-Team im Hintergrund zwei Personen, die konkret an diesem Deck gearbeitet haben. Und ich habe mir erlaubt, ein Bild von Mark McElroy spasseshalber neben die Sonne zu legen.

 

--- OK-OK-OK --- Auf der Zeichnung war er halt noch jünger ... aber die Haarfarbe ... die Augen ... sogar die Ohren ... und die Art des Lächelns ...

 

Und über die zweite Karte, welche überdurchschnittlich aus dem Set heraus fällt ist die oben ausführlich erwähnte 6 der Kelche.

 

Allerdings ist es sehr schwer Anna Lazzarini im Netz zu greifen. Ein sehr kleines Bild und ein Comic-ähnliches Selbstportrait waren aufzutreiben.

Und schon Lazzarinis Haarfarbe ist schwarz (oder zumindest dunkel).

Im Endeffekt sind die Comic-Zeichungen ebenso schwer greifbar, daß muß man zugeben.

Sei’s drum, es war ein Versuch wert ;-)

 

PS: Würde, hätte, vielleicht, möglicherweise, eventuell, wenn, dann

... würde ich auf die Hohepriesterin tippen. ;-)

 

Und dann bleibt doch wieder die Frage Wer ist dann das Kelch-Mädel.

Also doch eine verträumte Jugendliebe?

 

** nicht zu ernst nehmen ** ;-)

 

Aber die Idee ist doch Klasse, oder?! Es muß nicht wie bei Osho eine eigene Karte sein.

Es sollte auch nicht im Stil von Salvador Dali ein zu offensichtliches Bild sein, aber im nächsten Geburtstagsdeck erwarte die gesamte Mannschaft versteckt. ;-)

... Oder sind sie es doch jetzt alle schon ?

?

?

WANTED:

?

(Hoffe noch auf weitere Antwort)

Mark McElroy

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